Als ich so im Internet surfte, fiel mir eine Seite ins Auge, auf der beschrieben wird, wie man mit meiner Lieblingsblume (Löwenzahn) exotische Käfer anlockt.
Irgendwie kam mir das komisch vor. Wie sollte ein kleiner Käfer aus weit entfernten Ländern über diese Entfernung riechen, dass ich für ihn ein leckeres Löwenzahn-frühstück bereitet habe?
Naja, probieren kann man es ja mal.
Der Versuch gestaltete sich allerdings etwas schwierig, schließlich ist jetzt Anfang März und weit und breit kein Löwenzähnchen zu sehen. Also bestellte ich mir kurzerhand bei Ebay 50 Löwenzahnsamen für 5 €. (Die Stadtkinder werden das jetzt nicht verstehen - aber die Landkinder liegen jetzt lachend am Boden und kreischen "Wie kann man nur soooo blöd sein" - aber keine Angst, dies hier ist eine Geschichte ^^ Im Gegensatz zu dem wahrhaft kostspieligen Ebay-angebot an Löwenzahnsamen...)
Jedenfalls. Zwei Wochen später konnte ich meine ersten Löwenzahnblätter ernten. Ich legte sie nebeneinander auf den Tisch und schrieb einen 1x1cm großen Begrüßungszettel mit dem Wort "Willkommen" in 20 verschiedenen Sprachen. Man kann ja nie wissen, woher der ferne Besucher kommt!
Ich öffnete das Fenster und wartete. Ich nahm ein Blatt Papier und fächerte den Löwenzahnduft hinaus in die freie Wildbahn. Ich wartete. Eine Stunde verging. Nun ja, aber wie schnell fliegt so ein Käfer überhaupt? Selbst bei der Schnelligkeit eines Flugzeugs konnte das ja Stunden dauern! Ich wartete. Ich pustete ganz fest über die Löwenzahnblätter aus dem Fenster hinaus, so dass der Willkommenszettel fast wegwehte. Es wurde bereits dunkel.
Ich wartete.
Und ich schlief ein.
Am nächsten Morgen erwacht, erhob ich meinen Blick auf die Löwenzahnblättchen. Und tatsächlich, ein Käfer saß darauf.

Ein Nashornkäfer. "Na toll", dachte ich, "den gibts hier bei uns bestimmt auch. Von wegen exotische Käfer!"
Ich beobachtete den kleinen Kerl trotzdem und bewegte mich keinen Zentimeter, um ihn nicht zu erschrecken.
"Miaaaaaaa hoooouuu!!!!!" brüllte er plötzlich und masakrierte ein Löwenzahnblatt mit seinem großen Horn.
Ich erschrak so sehr, dass ich einen halben Meter zurück hüpfte und nun bemerkte mich der Käfer ebenfalls.
Er verbeugte sich tief als er sagte:
"Konichiwa"
"Äääääh" war alles, was ich herausbrachte.
Er trat einen Schritt näher (also, sechs Schritte, da sechs Beine) und fragte mich etwas, was sich für mich anhörte wie "Kiong chang hao?"

Als ich nicht antwortete, holte er unter seinem Flügel eine Mini-mini-weltkarte heraus (noch kleiner als mein Begrüßungszettel) und blickte mich fragend an. Er zeigte mit einem Beinchen auf Japan. Ich zeigte auf Europa, bemerkte, dass mein Finger zu groß war um auf Deutschland zu tappen und holte schließlich Lupe und Stecknadel um dem Käferchen seinen seinen Aufenthaltsort zu zeigen.
"Wwwhoooooo" machte er und seine Augen wurden vor Überraschung riesig groß.

Wir unterhielten uns noch eine Weile auf dieser Ebene, als er irgendwann auf seine Mini-taschenuhr blickte und mich umarmte. Er klemmte sich noch ein Stück Löwenzahnblatt unter den Flügel und winkte mir zum Abschied. Ich winkte zurück und kurz darauf brummte der kleine Käfer aus meinem Fenster.
Seitdem habe ich immer ein kleines Töpfchen Löwenzahn mit saftigen Blättern auf meinem Fensterbrett, falls mich mein japanischer Freund mal wieder besucht und großen Hunger nach einer langen Reise mitbringt.
kostenlose Anleitung: http://homepage3.nifty.com/omura/shugei/amigurumi/kabutomushii/kabutomushi-1.htm